Investmentsteuerreform 2018: Was du dazu unbedingt wissen musst

Die Investmentsteuerreform tritt am 01.01.2018 in Kraft. Welche konkreten Änderungen gibt es? Was bedeutet das für dein Vermögen? Das erfährst du in diesem Artikel!

Investmentsteuerreform 2018

 

Meine Altersvorsorge basiert zu großen Teilen auf Aktienfonds bzw. Rentenversicherungen auf Aktienfondsbasis. Viele meiner fondsbasierten Rentenversicherungen habe ich vor dem 31.12.2004 abgeschlossen. Diese Verträge sollten bei Fälligkeit eigentlich komplett steuerfrei ausgezahlt werden. Die Auszahlung am Vertragsende ist auch weiterhin steuerfrei. Allerdings werden durch die aktuelle Investmentsteuerreform die Erträge während der Laufzeit geschmälert.

Welche Änderungen zum 01.01.18 mit dem neuen Investmentsteuergesetz in Kraft treten und was das für dein Vermögen bedeutet, habe ich für dich zusammengefasst.

Falls du wenig Zeit hast: Kurzzusammenfassung zur Investmentsteuerreform und den Konsequenzen

Es kann künftig für dich von Vorteil sein, wenn du Investmentfonds nicht direkt über eine Bank kaufst. Der „Umweg“ über eine fondsbasierte Renten- oder Lebensversicherung kann durchaus der ertragreichere Weg sein. Auf jeden Fall solltest du vor deinem Investment die verschiedenen Varianten mit einem „spitzen Bleistift“ kalkulieren, indem du jeweils den möglichen Ertrag nach Steuern berechnest. Falls du darauf keine Lust hast, kannst du natürlich auch einen (banken-) unabhängigen Berater zu Rate ziehen. Der übernimmt die Vergleichsberechnungen sicher gerne für dich:-)

Details zur Investmentsteuerreform 2018

Von der Investmentsteuerreform sind vor allem Aktien-, Immobilien-und Mischfonds betroffen. Dadurch dann auch solche Renten- oder Lebensversicherungen, die das Geld ihrer Kunden direkt in diesen Fonds anlegen (sog. fondsbasierte Renten-/Lebensversicherungen, auch Fondspolice genannt).

Was ist ein Aktienfonds?

Ein Aktienfonds ist ein Investmentfonds, der ausschließlich oder zum überwiegenden Teil in Aktien investiert. Er kann global als internationaler Aktienfonds investieren oder Aktien aus speziellen geographischen (Regionen, Länder) oder wirtschaftlichen (Branchen) Bereichen zusammenfassen. (Quelle: www.wikipedia.de)

Was ist ein Immobilienfonds?

Immobilienfonds sind Sondervermögen, die mindestens 51 % des von ihnen verwalteten Kapitals in bebaute und unbebaute Grundstücke sowie Erbbaurechte investieren.
(Quelle: www.finanztreff.de)

Was ist ein Mischfonds?

Ein Mischfonds ist ein Investmentfonds, der in mehrere Anlageklassen wie Aktien, Rentenpapiere, Geldmarkttitel, Rohstoffe, Edelmetalle und Immobilien gleichzeitig anlegen kann.
(Quelle: www.wikipedia.de)

Wie lief das mit Besteuerung von Investmentfonds bisher?

Am Beispiel eines Aktienfonds erkläre ich dir nun, wie das mit der Besteuerung der Erträge des Fonds bisher funktionierte.

Ein Aktienfonds kann zwei Arten von Erträgen erwirtschaften:

  1. Erträge aus Kursgewinnen und
  2. Erträge aus Dividendenzahlungen

Wenn ein Aktienfonds z.B. eine BASF-Aktie kauft und später zu einem höheren Kurswert wieder verkauft, erzielt der Fonds einen (Kurs-)gewinn. Dieser musste vom Investmentfonds bisher nicht versteuert werden.

Gleiches galt für Dividenden. Eine Dividende ist der Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft (z.B. BASF) an ihre Aktionäre (in unserem Fall ist der Aktienfonds der Aktionär) ausschüttet.

Steuern wurden erst dann fällig, wenn

  • der Aktienfonds Teile seiner Gewinne an dich als Anleger des Fonds ausgeschüttet hat (auch dann, wenn er sie für dich sofort wieder angelegt hat) oder wenn
  • du Fondsanteile mit Gewinn veräußert hast.

In beiden Fällen musste dann die Abgeltungssteuer i.H.v. 25% zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer von dir gezahlt werden. Der Fonds selber war von der Steuer befreit.

Sonderfall: fondsbasierte Renten- und Lebensversicherung

Wenn du in einen Aktienfonds über den Umweg einer privaten Fondspolice investierst, ging das mit der Besteuerung noch etwas anders.

Während der Laufzeit der Versicherung waren alle Erträge (Ausschüttungen des Fonds und auch Kursgewinne) steuerfrei. Erst zum Ablauf der Versicherung wurden dann ggf. Steuern fällig.

Lässt du dir aus dem Vertrag eine lebenslange Rente (monatlich, vierteljährlich oder jährlich) auszahlen, dann musst du nur den sog. Ertragsanteil (§22 EStG) versteuern.

Du kannst dir den Vertrag aber auch als einmalige Kapitalzahlung auszahlen lassen. Hast du die Versicherung vor 2005 abgeschlossen, dann ist die Einmalzahlung für dich steuerfrei. Hast du den Vertrag erst nach dem 31.12.2004 abgeschlossen, dann gilt folgendes:

Wenn deine private Fondspolice

  • mindestens 12 Jahre bestand und
  • der Vertrag erst nach der Vollendung deines 62. Lebensjahres (für Verträge, die vor 2012 geschlossen wurden: nach Vollendung des 60. Lebensjahres) ausgezahlt wird,

dann musst du nur den halben Ertrag mit deinem persönlichen Steuersatz versteuern. Das ist das sog. Halbeinkünfteverfahren. Anderenfalls ist der komplette Ertrag zu versteuern. Der Begriff „Ertrag“ ist in diesem Fall definiert als Auszahlungsbetrag aus der privaten Fondspolice abzgl. Summe der eingezahlten Beiträge.

Beispiel:

Du bekommst 100.000€ aus einer privaten Rentenversicherung, die du nach 2004 abgeschlossen hast ausgezahlt. Eingezahlt hast du insgesamt 50.000€. Dann liegt der Ertrag bei 50.000€. Wenn du die o.g. Voraussetzungen erfüllst, musst du nur den halben Ertrag i.H.v. 25.000€. versteuern. Beträgt dein persönlicher Steuersatz 30%, werden also 7.500€ Steuern fällig.

Welche steuerlichen Regelungen ab dem 01.01.2018 gelten

Von der Investmentsteuerreform sind Aktien-, Immobilien- und ggf. auch Mischfonds betroffen. Bisher musstest du als Anleger ja „nur“ Steuern zahlen. Die Fonds waren von der Steuer befreit. Das ändert sich nun zum 01.01.2018.

Wenn ein Fonds

  • Dividendenzahlungen von deutschen Aktiengesellschaften erhält oder
  • mit deutschen Immobilien Erträge erwirtschaftet,

dann muss er auf diese Erträge pauschal 15% Steuern bezahlen.

Du musst allerdings wie bisher auch deine Steuern bezahlen. Es gibt also nun eine Art „doppelter Besteuerung“. Es werden einmal Steuern auf deiner persönlichen Ebene (wie bisher) erhoben. Zusätzlich werden aber auch noch Steuern auf Fondsebene fällig.

Um diese Ungerechtigkeit auszugleichen, wurde die sog. „Teilfreistellung“ erfunden.

Was ist das genau, die Teilfreistellung?

Durch die Teilfreistellung musst du einen bestimmten Anteil der Ausschüttungen des Investmentfonds an dich nicht mehr persönlich versteuern. Für Ausschüttungen aus Investmentfonds gelten die folgenden Freistellungsquoten:

TeilfreistellungTeilfreistellung: Besonderheit fondsbasierte Renten-/Lebensversicherungen

Bei den fondsbasierten Renten-/Lebensversicherungen gibt es im Rahmen der Investmentsteuerreform hinsichtlich der Teilfreistellung eine Besonderheit. Oben hatte ich geschrieben, dass für Fondspolicen ab 2018 eine Teilfreistellung i.H.v. 15% gilt. Das ist allerdings nicht ganz richtig. Es gilt nämliche folgendes:

Teilfreistellung: Besonderheit fondsbasierte Renten-/Lebensversicherungen

 

 

 

 Hast du also vor 2005 eine Fondspolice abgeschlossen, hast du aus meiner Sicht die „A-Karte“ gezogen. Rein faktisch wird die einmalige Kapitalauszahlung dieser Versicherungen weiterhin steuerfrei sein. Wenn du die lebenslange Rentenzahlung wählst, wird auch diese weiterhin günstig mit dem Ertragsanteil besteuert. Aber die Performance des Fonds wird durch das neue Investmentsteuerreformgesetz um 15% geschmälert.

Hat ein Aktienfonds z.B. bisher durchschnittlich 6% Wertentwicklung für dich erwirtschaftet, werden bei dir zukünftig – bei gleicher Performance des Fonds – nur noch 5,1% ankommen (6% x 0,85 = 5,1%). Einen Ausgleich durch eine Teilfreistellung bekommst du hier nicht:-(

Investmentsteuerreform: Berechnungsbeispiel „Direktanlage vs. Fondspolice“

Investmentsteuerreform: Berechnungsbeispiel „Direktanlage vs. Fondspolice“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es kann also künftig sinnvoll sein, Aktienfonds nicht direkt, sondern über den Umweg einer Fondspolice zu kaufen. Das gilt insbesondere auch deshalb, weil es künftig für Direktanlagen in Investmentfonds noch eine weitere „Gemeinheit gibt“. Nämlich die „Vorabpauschale“. Auf dieses Konstrukt möchte ich hier allerdings nicht weiter eingehen. Der Artikel ist mir jetzt schon recht lang geraten;-) Nur so viel: Die Vorabpauschale schmälert den Ertrag einer Direktanlage in Investmentfonds noch mehr. Und sie wird bei der Anlage in eine Fondspolice nicht erhoben!

Falls Du mehr über die „Vorabpauschale“ wissen möchtest, schreib mir bitte einen kurzen Kommentar unter diesen Artikel.

Über mich

Ich bin Mike Richter, Versicherungsmakler und Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH. Ich helfe Unternehmern und Selbstständigen Zeit und Geld zu sparen, indem ich mich wie ein guter Bekannter um alle betrieblichen und privaten Versicherungsfragen kümmere.

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